Der Orient in der emblematischen Literatur des Barock. Ein Beitrag zur Imagologie. In: KGS (Kairoer Germanistische Studien), Bd. 18, Kairo, S. 93 -110

Diaa Elnaggar 


Abstract


Das Emblem als mögliche Verbindung von Überschrift, Bild und Beischrift erfreute sich im Schaffen der barocken Dichter einer außerordentlichen Breitenwirkung, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Die Anfänge dieser Kunst sind auf die Wiederentdeckung der Antike durch die Humanisten im 15. Jahrhundert nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken zurückzuführen. Die Humanisten, die auf der Flucht wertvolle antike Handschriften mit sich nahmen, sind durch die Übersetzung und Neuauflage der Werke von Strabon (* 64/63 v. Chr., † nach 23 n. Chr.), Flavius Josephus (* 38 n. Chr., † Rom um 100), Plutarch (* um 46 n. Chr., † 120), Plinius dem Älteren (* 23 oder 24 n. Chr., † 79) und Tacitus (* um 46 n. Chr., † um 120) auf den Orient wieder aufmerksam geworden. Embleme, von den altägyptischen Hieroglyphen stark beeinflusst, wurden in Bauwerken, Fenstern, Wand- und Deckenausmalungen, Alltagsgegenständen und Trinkgläsern eingesetzt. Die Emblematik ist somit nicht nur literarischer Ausdruck, sondern auch Zeichen eines Lebensstiles geworden. Daher ist eine Analyse des Orientbildes im Barock ein wichtiger Beitrag zur Imagologie dieser Zeit und zum Bild des Orients vor der Aufklärung. Die orientbezogenen Embleme umfassten historische Persönlichkeiten wie den Pharao Sestoris III aus der 12. Dynastie (1878 - um 1842 v. Chr.), der neben seinen kriegerischen Erfolgen zusammen mit Alexander dem Großen zu den ruhmreichsten historischen Figuren des antiken Schrifttums gehört. Saladin gehörte zu den positiven Figuren, die die religiösen Auseinandersetzungen zwischen dem Orient und dem Okzident im Mittelalter überdauert hat. Unter den orientbezogenen Bauwerken ragten besonders die Obelisken und die Pyramiden als Symbol der Lebenspracht und –vergänglichkeit hervor, der (die) Sphinx und der Memnon-Koloss wurden emblematisch weniger dargestellt. Unter den orientbezogenen Tieren, die emblematisch verarbeitet wurden (Krokodil, Ibis, Nilpferd, Löwen, Frosch), erfreute sich die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, der sogenannte ouroboros drakon, als Symbol von Ewigkeit größter Beliebtheit. Die Türken, die seit der Eroberung Konstantinopels andauernde Bedrohung für Europa waren, durften in der emblematischen Literatur nicht fehlen und wurden negativ dargestellt. Die Arbeit stellt folgendes fest: 1. Die Aufnahme des Orients erstreckt sich vor allem auf die Gebiete des „Alten Orients“, d.h. den mediterranen Orient und Nordafrika. 2. Nur „Ausnahmemenschen“ werden emblematisch behandelt, was eng mit der barocken Diskussion über die passende Regierungsform und die Rolle des Herrschenden zusammenhängt. 3. Sowohl die Tiere als auch die Bauwerke des Orients spiegeln das Bild des prächtigen exotischen Orients wider, der gleichzeitig den barocken Vanitas-Gedanken darstellen soll. 4. Nur die türkische Gefahr überträgt dieses Image ins Alltägliche.


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Issue Date 2008
Publisher KGS Cairo University
URI http://research.asu.edu.eg/123456789/478


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