Terrorismus in der Literatur des Ich und des Anderen am Beispiel von Alaa Al-Aswanis "Der Jakubijân-Bau" und Christoph Peters "Ein Zimmer im Haus des Krieges". In: Cultural Politics. Contemporary Visions in Language, Culture and Literature, Bd. 2, hrsg. v. Sprachenfkultät Al-Alsun, Kairo 2013, S. 741 -769

Diaa Elnaggar 


Abstract


Terrorismus hat einen globalisierten Charakter. Es gebe, wie der ägyptische Politsoziologe Al-Sayed Yassin meint, kein einziges arabisches Land, wo es keine islamistische extremistische Gruppe gebe. Dabei spiele es keine Rolle, unter welchem Namen sie agierten und welche Führungskräfte sie hätten. Am Beispiel zweier Romane soll in dieser Arbeit gezeigt werden, wie dieses Phänomen in der deutschen und der arabischen Literatur thematisiert wird. Der erste Roman ist "Imârat Yaqûbyân" (= Der Jakubijân-Bau) des ägyptischen Schriftstellers Alaa al-Aswani, der andere ist "Ein Zimmer im Haus des Krieges" des deutschen Schriftstellers Christoph Peters. In beiden Romanen wird die Handlung von Figuren getragen, die Muslime sind und sich irgendwann dazu entschließen, sich dem militanten Kampf auf dem Weg Gottes anzuschließen: Der Sohn des Türhüters des Jakubijan-Bau Taha al-Schâsli verabschiedet sich vom friedlichen Protest, wendet sich dem militanten Islamismus zu und wird in seinem ersten Mordauftrag getötet. Auf der anderen Seite ist es der deutsche Konvertierte Jochen-Abdallah Sawatzky, der 1993 mit einer terroristischen Gruppe ein Attentat im oberägyptischen Luxor auf Touristen verüben will, von den ägyptischen Sicherheitstruppen dabei verhaftet und am Ende zum Tod verurteilt wird. Daher kann ein Vergleich der Schicksale beider Figuren anregende Aspekte darüber bieten, wie Extremismus und Terrorismus entstehen und bekämpft werden könnten. Die Arbeit stellt folgende Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest: 1. Beide gehören dem Islamismus an. 2. Beide glauben an die Rolle des militanten Widerstands 3. Beide verbinden politische Beweggründe, nämlich der zweite Goldkrieg gegen Irak und das besetzte Palästinas. 4. Beide haben gemeinsame persönliche Vorstellungen vom „sogenannten islamischen Staat“, von der Bekämpfung der „ungläubige Regime“, der „mit dem Westen kollaborierenden Herrscher“ und des „Säkularismus“. Erzähltechnisch glaubwürdiger identifiziert sich Sawatzky mit seiner islamistischen geistigen Haltung. Anders als al-Schâsli erstreckt sich bei Sawatzky die Umma-Vorstellung auf Gegenden, die geographisch außerhalb des Nahen Ostens liegen wie Afghanistan, Bosnien und Tsche¬tschenien. Sie sind keine regionalen Angelegenheiten, sondern Teile des Hauses des Islam, für das er sich kämpferisch einsetzen sollte. Beide Romane unterscheiden sich jedoch durch folgende Aspekte: 1. Die globale Auffassung vom „Gotteskampf“: Das Haus des Krieges und das Haus des Friedens Während Sawatzkys Verhalten von der mittelalterlichen überholten Aufteilung der Welt in ein Haus des Friedens und ein Haus des Krieges bestimmt ist, bleibt das von al-Schâsli reaktionär, wegen der einen oder anderen ungerechten Situation, aber ohne geistige Grundlagen für seinen militanten Kampf. 2. Die Beweggründe für den militanten Kampf Bei Sawatzky ist es vor allem ein soziales und menschliches Vakuum, während es bei Al-Schâsli durch soziale, politische und sicherheitspolitische Unterdrückung motivisch begründet ist. 3. Soziale Isolation Bei allen politischen und persönlichen Motiven ist Isolation das Hauptmotiv bei beiden Figuren für Extremismus und Terrorismus. Dieses Motiv wird durch die Raumsymbolik verstärkt, bei Peters durch die Zimmer-Haus-Metaphorik, bei Al-Aswani durch das Dach, das räumlich und sozial vom Rest des Hauses isoliert ist. 4. Die ausgewogene Darstellung eines moderaten Moslems Während Peters Arua, die in Frankfurt aufgewachsen ist, aber gleichzeitig in der deutschen Gesellschaft aktiv ist, als moslemisches Gegenbeispiel für Sawatzky in die Handlung integriert ist, gibt es unter den Figuren des Romans von Alaa Al-Aswani niemanden, den man als moderaten Muslim bezeichnen kann. 5. Das tragische Ende Beide haben ihren terroristischen Kampf mit dem Leben bezahlt. Während die Todesszene von al-Schâsli bei seinem Attentat auf Oberst Sâlich Raschwân ins Metaphysisch-Himmlische gesteigert wird, was beim Leser Sympathie mit dem persönlichen Schicksal von al-Schâsli wegen der sozialen Unterdrückung und der Erniedrigung durch die Sicherheitskräfte hervorbringt, entschließt sich Sawatzky am Ende dazu, seine auf Polarisierung hinauslaufende engstirnige, exklusive Umma-Vorstellung aufzugeben und die anderen Bewohner des Hauses als Menschen anzusehen. Durch rege Diskussionen mit seinem geistigen Gegner Cismar sind die Isolation und die Parallelgesellschaft von Sawatzky überwunden worden. In der Nacht seiner Hinrichtung fällt seine Wahl auf die letzte Sure des Korans "Die Menschen", die keine Unterscheidung auf religiöser Basis nicht mehr kennt, indem weder von Muslimen noch von Nicht-Muslimen die Rede ist, sondern einfach nur von Menschen.


Other data

Issue Date 2013
Publisher Sprachenfkultät Al-Alsun, Kairo
URI http://research.asu.edu.eg/123456789/481


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